Kurzhaar trifft Langhaar

 

Die Britisch Kurzhaar (kurz: BKH) und die Britisch Langhaar (kurz: BLH) – oder auch Britannica oder Highlander (früher auch Lowlander) – gehören zu den beliebtesten Katzenrassen Europas – und das aus gutem Grund.
Sie werden zwar beide als eigenständige Rassen geführt, aber genetisch sind sie eins. Lediglich ein Gen – das rezessiv vererbte Langhaargen – sorgt hier für die Differenzierung auf Grund der unterschiedlichen Haarlänge.
Beide vereinen ein sanftes Wesen mit einer eindrucksvollen Erscheinung. Doch obwohl sie eng miteinander verwandt sind, zeigen sich bei genauer Betrachtung feine, aber wichtige Unterschiede.

Britisch Langhaar
weiß

Britisch Kurzhaar
weiß

Exkurs – Genetik Felllänge

Durch die Einkreuzung von Persern erweiterte man nicht nur die Farbenvielfalt und das Aussehen der Briten- auch das Gen für langes Fell wurde so mitgebracht und sorgt so manches Mal für kleine Fellknäuel. Es gibt das Kurzhaar Gen (L) und das Langhaar Gen (l). Das Kurzhaar Gen wird dominant vererbt, das Langhaar Gen wird rezessiv (verdeckt) vererbt. Somit können aus einer Verpaarung zweier kurzhaariger Tiere auch welche mit langem Fell fallen, sofern beide Eltern das Gen für Langhaar genetisch tragen.

Auch wenn man ein langhaariges Tier mit einem kurzhaarigen verpaart, können langhaarige Babys fallen, sofern das kurzhaarige Tier ebenfalls das Langhaar Gen trägt. Sollte das kurzhaarige Elterntier kein Langhaar tragen werden die Babys alle kurzhaarig zur Welt kommen, aber teilweise wieder das Langhaar Gen tragen. Bei der Verpaarung von zwei langhaarigen Tieren, werden ausschließlich Babys in Langhaar auf die Welt kommen.

Langhaar (ll) & Langhaar (ll) = alle Langhaar
Kurzhaar (LL) & Kurzhaar (LL) = alle Kurzhaar
Kurzhaar (Ll) & Kurzhaar (Ll) = 50 % Kurzhaarig, aber tlw.   langhaarträger. 50% langhaarig
Kurzhaar (Ll) & Langhaar (ll) = 25% Kurzhaarig, aber tlw. langhaarträger 75% Langhaar


Gemeinsamkeiten –
Der typische „Brite“

Beide Rassen stammen ursprünglich aus derselben Zuchtlinie. Die Britisch Langhaar entwickelte sich, durch Einkreuzung langhaariger Katzen, aus der Kurzhaarvariante.
Charakterlich zeigen sich kaum Unterschiede, wobei man den Langhaarbärchen durchaus ein noch sanfteres Gemüt nachsagt.


Unterschiede –
Kurzhaar trifft auf seidiges Langhaar

Der wohl offensichtlichste Unterschied liegt im Fell, denn das Fell der Britisch Kurzhaar ist dicht, kurz und besonders plüschig. Das Fell steht leicht vom Körper ab und wirkt fast wie ein weicher Teppich. Im Gegenzug ist das Fell der Britisch Langhaar halblang bis lang, seidig und weich anliegend. Besonders auffällig ist der „Kragen“ im Halsbereich sowie der buschige Schwanz. Das Fell in den Schultern wirkt vergleichsweise kurz zum Rest.
Mit dem längeren Fell geht auch ein etwas höherer Pflegeaufwand einher. Während die Kurzhaar-Katze meist mit gelegentlichem Bürsten auskommt, benötigt die Langhaarvariante regelmäßige Fellpflege, um Verfilzungen zu vermeiden.

Wissenswertes – 5 verschiede Gene, 5 verschiedene Haarlängen
5 verschiedene Gene, sind für die Ausprägung der Länge des Fells verantwortlich.

M1 kommt nur bei der Rasse Ragdoll vor.
M2 wurde bei Norwegischen Waldkatzen entdeckt.
M3 gibt es nur bei den Rassen Ragdoll und Maine Coon.
M4 ist die häufigste Variante, die bei den meisten langhaarigen Katzenrassen gefunden wird.
M5 ist spezifisch für Maine Coon Katzen.

 

Optik – Eleganz in zwei Varianten

Optisch wirken beide Katzen auf den ersten Blick ähnlich – und doch entfalten sie eine ganz eigene Ausstrahlung:
Die Britisch Kurzhaar beeindruckt durch ihre klare Linienführung und das dichte, gleichmäßige Fell. Sie wirkt kompakt, ruhig und fast „bärenartig“.
Die Britisch Langhaar hingegen erscheint weicher und eleganter. Ihr fließendes Fell verleiht ihr eine fast majestätische, sanfte Anmut.

Beide Rassen gibt es in einer enormen Vielfalt an Farben und Zeichnungen – von klassischem „British Blue“ bis hin zu seltenen Farbvarianten.

Britisch Langhaar
rot weiß

Britisch Kurzhaar
rot weiß

 

Eigenschaften im Alltag

Im täglichen Zusammenleben zeigen sich beide Rassen unkompliziert und familienfreundlich. Sie eignen sich sowohl für Einzelpersonen als auch für Familien mit Kindern. Ihr ruhiges Temperament, der gemäßigte Bewegungsdrang im Vergleich zu anderen Rassen, die hohe Anpassungsfähigkeit an Wohnungshaltung, die starke Bindung zum Menschen, ohne anhänglich zu wirken, machen den Briten schnell zum besten vierbeinigen Freund.

Die Britisch Langhaar wird gelegentlich als etwas sensibler beschrieben, während die Kurzhaarvariante oft als besonders robust gilt – diese Unterschiede sind jedoch individuell und nicht strikt rassetypisch.

Fazit
Ob kurz oder lang – beide Varianten verkörpern den typischen Charakter der britischen Katze: ruhig, ausgeglichen und von natürlicher Eleganz geprägt. Die Wahl zwischen Britisch Kurzhaar und Britisch Langhaar ist daher weniger eine Frage des Wesens, sondern vielmehr des persönlichen Geschmacks – insbesondere in Bezug auf Fellstruktur und Pflegeaufwand.

Beide Rassen sind treue Begleiter, die mit ihrer sanften Art und ihrem unverwechselbaren Erscheinungsbild jeden Katzenliebhaber begeistern.