Erste Hilfe

 

Erste Hilfe bei der Katze

‚Äʬ†¬† Vorbeugung
‚Äʬ†¬† Grundlagen der Ersten Hilfe
‚Äʬ†¬† Erste Kontaktaufnahme – Pr√ľfung der Lebensfunktionen I Wiederbelebungsma√ünahmen
‚Äʬ†¬† Anlegen von Verb√§nden – Schlagader Blutungen abbinden I Verletzungen abbinden I Transport zum Tierarzt
‚Äʬ†¬† Die Notfall Apotheke
‚Äʬ†¬† Rechtliche Fragen
‚Äʬ†¬† Notf√§lle von A-Z

 

Vorbeugung

Grundwerte:
‚Äʬ†¬† K√∂rpertemperatur: 37,5 – 39 Grad (Bei Stress sind 0,2 Grad plus akzeptabel. Gef√§hrlicher ist auf jeden Fall Untertemperatur)
‚Äʬ†¬† Atmung: 20 – 30 Atemz√ľge pro Minute
‚Äʬ†¬† Herzschlag: 100 – 130 Schl√§ge pro Minute
‚Äʬ†¬† Schleimhautfarbe: rosa (Am besten erkennbar an der Augen-Bindehaut (Augenlid runterziehen) oder am Zahnfleisch.) Alarmzeichen bei Vergiftung: tiefrote Farbe.

Viele Notfälle lassen sich vermeiden, indem man mögliche Gefahrenquellen ausschließt:

Dass zum Beispiel die Tiere im Sommer nichts in parkenden Autos (sei es auf dem Rastplatz w√§hrend der Urlaubsreise oder vor dem Haus des Tierarztes dessen Wartezimmer √ľberf√ľllt ist) zu suchen haben versteht sich von selbst. √úberhaupt sollte man davon absehen, die Tiere an hei√üen Tagen im Auto zu transportieren! Ungesicherte Stromleitungen stellen f√ľr junge Tiere eine Gefahr dar, wenn sie darauf herumkauen. Katzen k√∂nnen bei ihren Streifz√ľgen in gekippten Fenstern h√§ngen bleiben oder sich mit ihrem Halsband verheddern. Eine reibungslose Geburt l√§sst sich durch ausgewogene F√ľtterung w√§hrend der Tr√§chtigkeit, vorbereitende Tierarztbesuche und ein ruhiges, ungest√∂rtes Pl√§tzchen zur Niederkunft sichern.

Nat√ľrlich gibt es noch viele andere Bereiche, in denen wir auf die Sicherheit unserer ‚ÄúTiger‚ÄĚ achten und sie vor Verletzungen und Unf√§llen sch√ľtzen k√∂nnen. Geschieht dennoch ein Unfall oder finden wir irgendwo auf der Stra√üe ein verletztes Tier vor, k√∂nnen wir durch √ľberlegtes Handeln vielleicht noch das Schlimmste zu verhindern. (Und bitte im Ernstfall nicht aus Angst vor den rechtlichen Folgen vom Helfen abhalten lassen!)

Grundlagen der Ersten Hilfe

Ein akuter Notfall erfordert klares Denken und zielgerichtetes Handeln. Die erste Regel lautet daher: Ruhe bewahren!

Obwohl einige Sofortma√ünahmen f√ľr das Leben des Tieres sehr wichtig sind, kann die Erste Hilfe niemals die Behandlung beim Tierarzt ersetzen! Das wichtigste Ziel sollte daher stets sein, baldm√∂glichst den Tierarzt zu erreichen. Ruft Euch Hilfe herbei, damit Ihr Euch auf lebensrettende Ma√ünahmen konzentrieren k√∂nnt, w√§hrend ein Helfer assistiert, beim Tierarzt anruft, den Wagen f√§hrt etc.
Falls das Tier noch auf Zurufen reagiert, n√§hert Euch vorsichtig und pr√ľft den Zustand des Patienten. Seid darauf gefasst, dass auch ein Euch bekanntes Tier in Notfallsituationen unvermittelt bei√üen und kratzen kann.
Sind keine Atembewegungen zu erkennen und wirkt das Tier völlig leblos, ist es möglicherweise durch sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen noch zu retten.

Hellrot pulsierende Blutungen (Schlagader) sollten abgebunden werden oder mit einem sauberen Taschentuch oder einem Stapel steriler Gazetupfer aus der Notfallapotheke fest abgedr√ľckt werden, w√§hrend man das Tier zum Arzt transportiert.

Erste Kontaktaufnahme

Wenn man sich einem verletzten Tier n√§hert, sollten Sie daran denken, dass Tiere unberechenbar sind, wenn sie Schmerzen, Angst oder einen Schock haben. Viele Besitzer sind in Notfallsituationen schon von ihrem eigenen Tier gebissen worden. Beim Ann√§hern sollte man daher m√∂glichst ruhig und behutsam auf das Tier einsprechen und auf pl√∂tzliche Situationen gefasst sein. Eine Decke kann bei schwer einsch√§tzbaren Situationen gute Dienste leisten: Man kann sie zur Not √ľber das Tier werfen und es darin einwickeln. Ist das Tier bewusstlos und sind Verletzungen zu bef√ľrchten, kann man die Decke vorsichtig unter das Tier ziehen und sie dann mit einem Helfer wie ein Sprungtuch spannen. So vermeidet man, dass man durch Zupacken den Zustand des Tieres verschlimmert.

 

Pr√ľfung der Lebensfunktionen

Bei einem bewusstlosen Tier kann man mit einfachen Mitteln den Zustand √ľberpr√ľfen:
‚Äʬ†¬† Zun√§chst aus der Distanz auf Atembewegungen achten, sprich das Heben und Senken des Brustkorbs
‚Äʬ†¬† Pr√ľfen, ob das Tier auf Ansprache reagiert.
‚Äʬ†¬† Pr√ľfen des Kreislaufzustandes: Man hebt die Oberlippe an und dr√ľckt mit dem Finger auf das Zahnfleisch. Innerhalb von zweiSekunden sollte sich die Stelle wieder rosa f√§rben, andernfalls hat das Tier vermutlich einen Kreislaufschock erlitten.
‚Äʬ†¬† Den Puls f√ľhlt man beim Tier an der Innenseite des Oberschenkels, den Herzschlag kann man in H√∂he des Ellenbogens am Brustkorb sp√ľren.
‚Äʬ†¬† Man kann mit einer Taschenlampe in die Augen leuchten: Die Pupillen m√ľssen sich daraufhin verengen, wenn das Tier noch zu retten sein soll.
‚Äʬ†¬† Sind weder Pupillenreflex noch Anzeichen f√ľr eine Atmung und Herzschlag vorhanden, ist das Tier bereits tot. Reagieren jedoch die Pupillen noch, sollte sofort mit Wiederbelebungsma√ünahmen begonnen werden.

 

Wiederbelebungsmaßnahmen

Ziel ist, die Sauerstoffversorgung der wichtigsten Organe wiederherzustellen. Dazu muss sowohl die Atmung als auch der Blutkreislauf funktionieren. Dazu muss sowohl die Atmung als auch der Blutkreislauf funktionieren. Geht bei einem leblosen Tier stets nach dem A-B-C-Schema vor:

A = Atemweg
√Ėffnet das Maul und zieht die Zunge nach vorne. Seht in den Rachen und entfernt Fremdk√∂rper, Schleim oder Erbrochenes, um die Atemwege freizulegen. Katzen k√∂nnen dazu auch an den Hinterbeinen festgehalten und kopf√ľber hochgehalten werden (JEDOCH NICHT BEI VERDACHT AUF WIRBELS√ĄULENSCH√ĄDEN!).

B = Beatmung
Sind die Atemwege frei, kann man das bewusstlose Tier beatmen. Zieht hierf√ľr die Zunge nach vorn, schlie√üt die Schnauze mit der Hand und streckt den Hals. Beatmet das Tier durch dessen Nase (evtl. mit einem vorgehaltenen Tuch). Beatmet etwas alle 3 Sekunden und achtet darauf, dass sich der Brustkorb hebt, aber nicht zu sehr w√∂lbt.

C = Circulation (Kreislauf)
Pr√ľft den Herzschlag an der seitlichen Brustwand und den Puls an der Innenseite des Oberschenkels. Seid Ihr sicher, dass ein Herzstillstand vorliegt, solltet Ihr eine externe Herzmassage vornehmen. Dazu legt Ihr eingefaltetes Tuch unter den Brustkorb des Tieres und legt Ihr Eure linke Hand flach auf den Brustkorb, etwa in H√∂he des Ellenbogens. Danach presst Ihr in schneller Folge f√ľnf- bis zehnmal MIT ZWEI FINGERN der rechten Hand auf Eure Linke, um das Herz wieder zum Schlagen anzuregen. Beatmet das Tier jeweils ein- bis zweimal, bevor Sie den Herzschlag kontrolliert und ggf. erneut massiert.

Das Anlegen von Verbänden

Schlagader-Blutungen abbinden
Bei Verletzungen und stark blutenden Wunden ist es sinnvoll, f√ľr den Transport zum Tierarzt einen Verband anzulegen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass dieser Verband nicht zu fest sitzt. Eine Ausnahme sind pulsierende hellrote Blutungen, bei denen ein arterielles Gef√§√ü ge√∂ffnet ist und starke Blutverluste drohen. Diese sollten direkt √ľber der Blutung abgebunden oder mit einem Stapel sauberer Taschent√ľcher oder steriler Gazetupfer abgedr√ľckt werden.

Verletzungen verbinden

‚Äʬ†¬† Direkt auf die Wunde sollte eine fusselfreie sterile Abdeckung kommen (f√ľr den Transport geht zur Not auch ein frisches Handtuch).
‚Äʬ†¬† Bei dauerhaften Verb√§nden besteht die n√§chste Schicht aus polsternder Verbandwatte. Bei Pfotenverb√§nden mu√ü unbedingt zwischen den Zehen und unter der Afterkralle gepolstert werden., sonst entstehen Druckstellen. Die ein- bis zweifingerdicke Polsterung wird mit elastischer Binde umwickelt und straff angezogen, ohne jedoch die Blutzirkulation abzuschn√ľren.
‚Äʬ†¬† Die √§u√üerste Schicht besteht aus gewebeverst√§rktem Klebeband oder Pflaster und ist an stark beanspruchten Stellen wie der Sohle durch mehrere Lagen zu verst√§rken.
‚Äʬ†¬† Um den Verband am Rutschen zu hindern. Kann er auch mit Pflaster am Fell fixiert werden, allerdings nicht auf unbehaarter (oder geschorener) Haut, da sich sonst Hautentz√ľndungen bilden.

 

Der Transport zum Tierarzt

Wenn m√∂glich, sollte man vorher beim Tierarzt anrufen, ist die Praxis nicht besetzt, befindet sich auf dem Anrufbeantworter sicher die Angabe des zust√§ndigen Notdienstes. Tier√§rztliche Kliniken sind rund um die Uhr erreichbar. Wenn beim Tierarzt bekannt ist, dass man kommt, kann dort alles f√ľr die Notfallversorgung vorbereitet werden.

‚Äʬ†¬† Man sollte niemals alleine zum Tierarzt fahren, es sei denn, das Tier ist in einem sicheren Beh√§lter verwahrt.
‚Äʬ†¬† Gel√§hmte Tiere sollten auf einem Brett gelagert werden, um weitere Sch√§den f√ľr das R√ľckenmark durch Bewegung der Bandscheibe zu vermeiden.
‚Äʬ†¬† Man tr√§gt die Katze am besten mit dem Nackengriff und h√§lt dabei die Hinterbeine mit der anderen Hand gut fest. Sehr widersetzliche Katzen lassen sich oft nur unter gro√üer Vorsicht mit Hilfe einer √ľbergeworfenen Decke in den Korb setzen.

 

Die Notfall-Apotheke

Eine Notfall-Apotheke sollte in jedem Haushalt vorhanden sein. Mit wenigen Erg√§nzungen k√∂nnt Ihr sie auch f√ľr den Notfall am Tier ausstatten. Das soll jedoch keinesfalls eine Aufforderung zu Do-it-yourself-Behandlungsversuchen sein! Bei einem Notfall am Tier sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden!

Der Inhalt der Notfall-Apotheke sollte stets auf Verwendbarkeit √ľberpr√ľft und erneuert werden:

‚Äʬ†¬† Polster- oder Verbandwatte (in Rollenform lassen sie sich schnell anlegen, herk√∂mmliche Watte eignet sich aber auch)
‚Äʬ†¬† Selbstklebende Bilde (mit elastischen Binde, die von selbst haften, k√∂nnen im Notfall sehr rasch Verb√§nde befestigt werden (an den Pfoten niemals Wattepolster vergessen!)
‚Äʬ†¬† Jod-L√∂sung (zur Desinfektion und Blutstillung, beispielsweise bei Nagelverletzungen, aber nicht bei gr√∂√üeren Wundeneinsetzen!)
‚Äʬ†¬† Ringer-L√∂sung (sterile Elektrolytl√∂sung ist ideal, um Wunden zu reinigen und um Fremdk√∂rper aus dem Auge zu sp√ľlen)
‚Äʬ†¬† Mullbinden (eignen sich nicht nur zum Anlegen eines Wundverbandes, sondern auch zusammengerollt f√ľr einen Druckverband)
‚Äʬ†¬† Sterile Gazetupfer (beim Tierarzt oder in der Apotheke zu bekommen)
‚Äʬ†¬† Wundbalsam (beim Tierarzt erh√§lt man ein geeignetes Mittel, mit dem man im Notfall Wunden desinfizieren und behandeln kann ‚Äď wichtig ist, da√ü es nicht brennt!)
‚Äʬ†¬† Verbandschere (mit abgerundeter Spitz, um die Verletzungsgefahr gering zu halten)
‚Äʬ†¬† Kalzium-Trinkampullen (k√∂nnen bei Insektenstichen eingegeben werden)

 

Rechtliche Fragen

§ Schäden durch das Tier
Bei Verkehrsunf√§llen wird die Schuld dem Tier angelastet, ‚Äúwenn es in seiner Unberechenbarkeit urs√§chlich an dem Schaden beteiligt war‚ÄĚ, also praktisch immer. F√ľr den Tierhalter hei√üt das, er haftet f√ľr den durch sein Tier entstandenen Schaden, selbst wenn ihn keine Schuld trifft und das Tier nicht unter seiner Aufsicht war. Die Privathaftpflicht deckt solche durch Katzen verursachte Sch√§den ab!

§ Schäden am Tier
Bei Raufereien zwischen Tieren wird die Schuld im allgemeinen zwischen den Kontrahenten geteilt, das hei√üt, die Tierarztrechnungen werden bis zu einer bestimmten Obergrenze auf die Tierhalter verteilt. Wenn die Schuld jedoch eindeutig bei einer Partei liegt (Angriff eines freilaufenden Hundes z.B.) haftet der Halter des Angreifers f√ľr die Tierarztkosten. Das gilt nat√ľrlich auch bei tierqu√§lerischen Handlungen wie Schl√§gen, Tritten oder Sch√ľssen, die ein friedliches Tier treffen (Ausnahme: J√§ger d√ľrfen im Wald unbeaufsichtigte Tiere abschie√üen).

§ Fundtiere
F√ľr Fundtiere ist die Gemeinde zust√§ndig, das hei√üt, sie √ľbernimmt die Kosten f√ľr die tier√§rztliche Notfallversorgung!!! (Also keine Scheu vor den Kosten, wenn ein Fundtier zum Arzt muss!) Wird ein Halter ausfindig gemacht, muss er die Kosten erstatten, auch f√ľr die anschlie√üende Unterbringung im Tierheim. Um ein Tier in Lebensgefahr zu retten, darf man auf fremdem Grund und Eigentum eigenm√§chtig handeln!!! Allerdings sollte man sich stets einen Zeugen suchen!

 

Notfälle von A bis Z

Allergie / Insektenstich

Bei einer allergischen Reaktion nach einem Insektenstich schwillt die betroffene Körperpartie an, und das Tier zeigt deutlichen Juckreiz. Lebensbedrohliche Folgen hat es, wenn der Insektenstich im Rachen liegt und die Atemwege zuschwellen. Dann muss sofort zum Tierarzt gefahren werden, der durch Cortison-Präparate die Schwellung zum Abklingen bringen kann. Stiche in der äußeren Haut behandelt man mit kalten Umschlägen und Kalziumgaben zum Futter, z.B. als Trinkampullen.

Anfall

Epileptische Anf√§lle sehen meist dramatischer aus, als sie sind: die Tiere fallen aus heiterem Himmel um und beginnen zu zittern bzw. mit den Beinen zu ‚Äúrudern‚ÄĚ. Nach wenigen Minuten erlangen sie das Bewusstsein wieder und verhalten sich ganz normal. Gef√§hrlich wird es, wenn sich die Anf√§lle h√§ufen oder l√§nger andauern: Deshalb sollte das Tier auf jeden Fall beim Tierarzt untersucht werden, auch wenn es sich wieder vollst√§ndig erholt hat. Einigen Anfallsleiden liegen Organerkrankungen zugrunde, andere gehen vom Gehirn selbst aus, k√∂nnen aber mit Medikamenten behandelt werden. Fasst das Tier w√§hrend des Anfalls nicht an, sondern schafft Platz, so dass es sich nicht verletzen kann.

Augenverletzungen

Risse des Augenlids m√ľssen gen√§ht werden, auch Verletzungen der Hornhaus, festsitzende Fremdk√∂rper oder einen vorgefallenen Augapfel muss der Tierarzt baldm√∂glichst behandeln. Bei freibeweglichen Fremdk√∂rpern kann man versuchen, diese mit Elektrolytl√∂sung herauszusp√ľlen. Um das Tier w√§hrend des Transports zum Arzt daran zu hindern, sich am Auge zu reiben, sollte eine feuchte Abdeckung dar√ľber gelegt und mit einem Kopfverband befestigt werden. Dazu ein Tipp: Die Flasche mit der Elektrolytl√∂sung in der Notfallapotheke kann mehrfach verwendet werden, wenn Ihr die Fl√ľssigkeit mit einer sterilen Einmalspritze entnehmt.

Ertrinken

Katzen k√∂nnen in Ma√üen schwimmen und sich retten, wenn sie ins Wasser fallen. Gef√§hrlich wird es, wenn das Ufer zu steil ist (Swimmingpool, Kanal, Fass) oder wenn die Tiere im Winter ins Eis einbrechen. In jedem Fall muss das Tier warm eingewickelt werden. Wenn es bereits das Bewusstsein verloren hat, entfernt zun√§chst das Wasser aus den Lungen, in dem Ihr das Tier an den Hinterbeinen festhaltet und kopf√ľber hin und her schwingt. Anschlie√üend muss mit der Wiederbelebung begonnen werden. Auf jeden Fall muss der Tierarzt aufgesucht werden, da Schockgefahr besteht und Sp√§tfolgen auftreten k√∂nnen.

Geburtsschwierigkeiten

Bei erstgeb√§hrenden Tieren kann es zu einem verz√∂gerten Geburtsablauf kommen. Sp√§testens eine Stunde nach Beginn der Presswehen sollte allerdings der erste Welpe geboren sein. Bei Verz√∂gerungen ist der Tierarzt um Rat zu fragen. Das gilt auch, wenn trotz Geburtstermin keinerlei Anzeichen f√ľr Wehen bestehen. Wenn das Tier bei gutem Allgemeinbefinden ist, kann bis zum 70. Tag der Tr√§chtigkeit gewartet werden. Wenn das Tier √ľbel riechendes, dunkelgr√ľnes Sekret aus der Scheide absondert oder die K√∂rpertemperatur √ľber 39¬įC ansteigt, ist das ein Hinweis auf abgestorbene Welpen bzw. eine Infektion der Geburtswege. Dann sollte das Tier sofort dem Tierarzt vorgestellt werden, ebenso, wenn die Mutter nach der Geburt schwach ist, nicht frisst oder die Welpen vernachl√§ssigt. Treten w√§hrend der Wehen gro√üe Mengen an hellrotem Blut aus, liegt vermutlich eine Verletzung der Geburtswege vor, und das Tier muss schnellstm√∂glich zum Tierarzt gebracht werden. Das gilt auch, wenn um den Geburtstermin Zitterkr√§mpfe einsetzen. Dazu kann es kommen, wenn zu wenig Kalzium f√ľr die Milchproduktion zur Verf√ľgung steht. Die Kr√§mpfe m√ľssen durch Kalziuminfusionen beim Arzt behandelt werden. Vorbeugend sollte die Versorgung mit Kalzium w√§hrend der Tr√§chtigkeit optimiert werden.

Herzversagen

Bei √§lteren Tieren mit Herzerkrankung kann eine starke Belastung (Bewegung, Hitze, Aufregung) zum pl√∂tzlichen Herzversagen f√ľhren. Doch auch starke Fl√ľssigkeitsverluste, z.B. durch Blutungen, Durchfall, Erbrechen oder Verbrennungen, k√∂nnen √ľber den Schock zum Herzversagen f√ľhren. Das Gehirn nimmt Schaden, wenn es l√§nger als drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung ist, daher ist beim Herzversagen h√∂chste Eile geboten und sofortige Wiederbelebungsma√ünahmen einzuleiten. Am besten bittet Ihr jemanden, Euch w√§hrend der Ma√ünahmen schnellstm√∂glich zum Tierarzt zu bringen. Bei Fl√ľssigkeitsdefizit kann nur eine sofortige Notfallversorgung mit Infusionen das Tier retten. Liegt ein Herzschaden oder eine andere schwere Grunderkrankung wie z.B. Tumoren vor, sind die √úberlebenschancen trotz Wiederbelebung gering. Vorbeugend kann man das Herz regelm√§√üig untersuchen lassen und √úbergewicht vermeiden.

Hitzschlag

Werden Tiere an warmen Tagen im Auto gelassen, kann sich der Innenraum sogar im Halbschatten so stark aufheizen, dass es zu einem Hitzschlag kommt: Die Tiere hecheln stark, taumeln und zeigen ger√∂tete Schleimh√§ute (Zahnfleisch). Katzen k√∂nnen auch einen Hitzschlag erleiden, wenn sie versehentlich im W√§schetrockner eingeschlossen werden. Das Tier muss mit kaltem Wasser abgek√ľhlt werden, insbesondere der Kopf! Um den Kreislauf anzuregen, massiert man die Gliedma√üen. Ist das Tier bereits bewusstlos oder erbricht es sich bzw. finden sich Anzeichen f√ľr einen Schock, ist in jedem Fall sofort der Tierarzt aufzusuchen!

Innere Verletzungen

Besonders bei Autounf√§llen oder hohen St√ľrzen kann es zu inneren Verletzungen kommen, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Auch wenn ein solcher Zwischenfall scheinbar glimpflich abgegangen ist, sollte das Tier unbedingt vom Tierarzt untersucht werden. Beobachtet es anschlie√üend einige Zeit aufmerksam: Bei Anzeichen f√ľr Kreislaufschw√§che (hecheln, blasse oder bl√§uliche Schleimh√§ute, Schw√§che) k√∂nnt Ihr die Druckprobe am Zahnfleisch machen, und achtet auf eine ungest√∂rte Atmung ohne Rasselger√§usche. Verschlechtert sich der Zustand des Patienten oder zeigt er gar Schocksymptome, muss er unbedingt zum Tierarzt gebracht werden.

Knochenbr√ľche

Br√ľche sind nicht immer als solche erkennbar. Besonders geschlossene Br√ľche, bei denen die Haut unverletzt bleibt, k√∂nnen unbemerkt bleiben oder wie eine Verrenkung oder B√§nderverletzung aussehen. Besteht der Verdacht auf einen Bruch, z.B. nach einem Unfall, sollte auf jeden Fall der Tierarzt konsultiert werden. Erst durch eine Untersuchung und R√∂ntgenaufnahme l√§sst sich das Ausma√ü des Schadens beurteilen. Offene Br√ľche, bei denen die Haut verletzt ist oder gar ein St√ľck des Knochens vorsteht, m√ľssen dringend tier√§rztlich versorgt werden. Zun√§chst ist zu pr√ľfen, ob das Tier einen Schock erlitten hat, dann ist die Wunder und der Knochen mit sterilem Verbandmaterial oder einem frischen Handtuch abzudecken. Keinesfalls Wundbalsam oder Salbe auf den offenen Bruch geben!! Das Tier sollte beim Transport zum Arzt durch eine feste Unterlage (am besten ein Brett) gest√ľtzt werden, damit die Bruchstelle nicht bewegt oder ber√ľhrt wird.

Schock

Bei allen Notfallsituationen sollte das Tier zuerst auf Anzeichen f√ľr einen Schock untersucht werden: schnelle Atmung, rasender Puls, blasse Schleimh√§ute mit verz√∂gerter F√ľllung nach der Druckprobe, niedrige K√∂rpertemperatur (unter 37¬įC) und kalte Gliedma√üen. Im sp√§teren Stadium kommt es zu flacher, langsamer Atmung, unregelm√§√üigem Herzschlag und Reaktionslosigkeit. Die Bek√§mpfung des Schocks hat Vorrang vor allen anderen Notfallma√ünahmen! Legt das Tier auf die Seite und streckt seinen Kopf. Hebt das Becken und die Hinterl√§ufe an und legt ein Kissen o. √§. darunter. Starke Blutungen sind durch einen Druckverband zu stillen. Falls n√∂tig, sind Wiederbelebungsma√ünahmen durchzuf√ľhren. Sch√ľtzt die Katze durch eine Decke vor weiterem Ausk√ľhlen und bringt sie sofort zum Tierarzt. Denkt daran, dass auch starke allergische Reaktionen, z.B. auf Insektenstiche oder Medikamente, zum Schock f√ľhren k√∂nnen!

Stromschlag

Katzen k√∂nnen beim Zerbei√üen von stromf√ľhrenden Kabeln einen Stromschlag erleiden. Diese Situation kann auch f√ľr Euch sehr gef√§hrlich sein – denkt also auch an Eure Sicherheit: Ber√ľhrt weder das Tier noch Fl√ľssigkeiten in der N√§he der Stromquelle, sondern dreht zuerst den Strom ab! Befreit dann das Tier (notfalls mit einem Holzstiel). √úberpr√ľft Herzschlag und Atmung und beginnt gegebenenfalls mit der Wiederbelebung. Achtet auch auf Anzeichen f√ľr einen Schock . Stromschl√§ge verursachen Brandwunden mit hellem Zentrum und ger√∂tetem Rand. Bringt das Tierarzt und versorgt die Verbrennungen.

Unterk√ľhlung

Katzen sind durch ihr Fell gut vor K√§lte gesch√ľtzt. Bei extremen Temperaturen kann es allerdings an den Ohrr√§ndern zu Erfrierungen kommen. Gef√§hrlich wird es, wenn ein Tier im Winter in ein Gew√§sser st√ľrzt oder ins Eis bricht. Das durchn√§sste Fell verliert seine D√§mmfunktion, und das Tier kann rasch ausk√ľhlen. Unterk√ľhlung f√ľhrt zu Zittern, Schw√§che, Kr√§mpfen und Bewusstlosigkeit. H√§ufig besteht ein Schock. Bek√§mpft in diesem Fall zuerst den Schock bzw. f√ľhrt Wiederbelebungsma√ünahmen durch. Dann f√ľhrt dem Tier W√§rme zu, indem Ihr es in eine Decke wickelt und eine W√§rmeflasche darauf gelegt. Fahrt dann sofort zum Tierarzt, dieser kann auch die Erfrierungen behandeln, die sich in roten, geschwollenen Ohrr√§ndern oder ger√∂teter Schwanzspitze zeigen.

Verbrennung

Bei Verbrennungen sollte die betroffene K√∂rperstelle sofort 20 Minuten lang mit kaltem Wasser gesp√ľlt werden. Dann sollten offene Brandwunden mit sterilen Mullbinden oder einem frischen Handtuch abgedeckt und das Tier zum Arzt gebracht werden. Tragt keine Brandsalben o. √§. auf. Achtet auf Schocksymptome, die auch erst nach Tagen auftreten k√∂nnen. Selbst relativ kleine Verbrennungen k√∂nnen lebensbedrohliche Folgen haben, wenn durch den Fl√ľssigkeitsverlust und die Entz√ľndungsreaktion der Haut ein Schock ausgel√∂st wird.

Vergiftung

Katzen sind besonders empfindlich gegen Giftstoffe und Kontaminationen des Fells. Habt Ihr eine Giftaufnahme beobachtet, solltet Ihr das Tier und m√∂glichst auch eine Giftprobe zum Arzt bringen. Dieser kann dann Erbrechen ausl√∂sen und nach R√ľcksprache mit der Giftzentrale geeignete Gegenma√ünahmen einleiten. Denkt auch daran, dass Tabak, Verh√ľtungspillen und menschliche Arzneimittel f√ľr Tiere besonders giftig sein k√∂nnen. Habt Ihr lediglich den Verdacht, dass eine Vergiftung vorliegen k√∂nnte, sollte Ihr zun√§chst telefonischen Kontakt mit dem Tierarzt aufnehmen. Erbrechen tritt zwar bei vielen (nicht allen) Vergiftungen auf, hat aber in den meisten F√§llen eine andere Ursache. Anzeichen einer Vergiftung k√∂nnen je nach Substanz sein: Erbrechen, Speicheln, R√∂tungen der Maulh√∂hle, Bl√§sse, Durchfall, Zittern, Bewegungsst√∂rungen, Atemnot, Husten, Teilnahmslosigkeit und Schmerzen, meist mit der Tendenz zur Verschlechterung. Achtet auf Schocksymptome und bringt das Tier zum Tierarzt.

Verletzungen von Haut und Muskulatur

Neben Verkehrsunfällen und Beißereien können auch Stiche und Schusswunden starke Blutungen verursachen. Bei hellrot pulsierendem Blut droht ein rascher Blutverlust. In dem Fall ist oberhalb der Wunde abzubinden und ein Druckverband anzulegen. Es ist außerdem auf Schocksymptome zu achten, und das Tier ist sofort zum Tierarzt zu bringen. Falls die Wunde die Brusthöhle öffnet, droht ein Lungenkollaps. Achtet auf saugende Atemgeräusche und presst eine sterile Abdeckung auf die Wunde am Brustkorb.

Bisswunden sind meist infiziert und sollten, unabh√§ngig von ihrer Gr√∂√üe, stets beim Tierarzt versorgt werden. Steckt ein Fremdk√∂rper, z.B. ein Pfeil, in der Wunde, zieht ihn nicht heraus, sondern schneidet ihn einige Zentimeter √ľber der Wunde ab, und legt f√ľr den Transport einen Verband an. Schmutz und kleinere Fremdk√∂rper k√∂nnt Ihr mit steriler Elektrolytl√∂sung aus der Wunde sp√ľlen, bevor Ihr einen Verband anlegt. Denkt immer daran, dass Ihr beim Verbinden die Blutzirkulation nicht abschn√ľren d√ľrft!

(Quelle: Ein Herz f√ľr Tiere)